WSOP - Strategie

World Series of Poker 2009

Die Teilnahme an der World Series of Poker* ist für viele Pokerspieler der Höhepunkt ihrer Karriere - aus diesem Grund sollten Sie sich genau überlegen, welche Strategie Sie bei Ihrer Online-Qualifikation verfolgen und wie Sie sich danach auf das Main Event in Las Vegas vorbereiten wollen. Und niemand kann Sie besser für solche Situationen fitmachen als das Team PokerStars Pro ...

Zuerst erklärt Ihnen die EPT London-Gewinnerin Vicky Coren, wie man sich am besten in den Multitisch-Satellites auf PokerStars für die World Series qualfiziert, dann erhalten Sie vom aktuellen WSOP* Main Event-Champion Peter Eastgate ein paar unschätzbare Tipps für das Spielen im "Big One", dem $10.000 Buy-in Main Event.

Mit Multitisch-Satellites zur WSOP*

Von Vicky Coren - Team PokerStars Pro

Vicky CorenEines vorweg: Die so genannten "Super-Satellites" unterscheiden sich von gewöhnlichen Turnieren in etwa so sehr wie 2-7 Triple Draw von Hold'em.

Als professioneller Pokerspieler kann man drei nebeneinander verlaufende Karrierewege einschlagen: Cash Games (um den Lebensunterhalt zu verdienen), Turnierpoker (um Ruhm und große Erfolge zu erringen) und Satellites (um für wenig Geld Tickets für die großen Turniere zu gewinnen). Für jede dieser Parallelkarrieren benötigt ein Profi unterschiedliche Spielstile.

Bei einem Super-Satellite geht es nicht unbedingt darum, das Turnier zu gewinnen: Stattdessen muss man versuchen, zu den fünf, den zehn oder einhundert Spielern zu gehören, die am Ende alle den gleichen Preis gewinnen - z.B. einen Platz beim WSOP Main Event. Dabei ist es egal, ob man das Satellite mit 100.000 Chips beendet oder mit einem Chip. Das Ergebnis bleibt dasselbe.

Daher muss man in solchen Turnieren tighter spielen und weniger "gamblen" als in einem typischen Multitisch-Turnier, das man gewinnen will. Außerdem sollte man immer die PokerStars-Lobby im Auge behalten, um sich über die Chipstände der anderen Spieler zu informieren. Denn bei Super-Satellites lauern die potenziellen Gegner mehr als sonst überall im Turnier, statt nur am eigenen Tisch.

Vor dem Start (vorausgesetzt, es gibt keine Rebuys) kann man auf zwei Arten berechnen, wie viel Chips man benötigt: Um den durchschnittlichen Chipstand herauszufinden, den man für sein heiß begehrtes Turnierticket braucht, teilt man die Gesamtzahl aller Chips durch die Anzahl der ausgespielten Tickets. Noch einfacher - und superpraktisch für alle, die in Mathe nie besonders gut waren - geht es folgendermaßen: Wenn klar ist, dass jeder zehnte Spieler einen Platz gewinnt, multipliziert man seinen Stack mit 10. Wenn jeder zwanzigste Spieler einen Platz gewinnt, multipliziert man mit 20. Das heißt, wenn ein Spieler unter 15 ein Ticket gewinnen wird, und jeder das Turnier mit 3.000 Chips beginnt, nimmt man diese 3.000 mal 15 und kommt so auf 45.000 Chips, die am Ende für einen Startplatz ausreichen werden - und DAS ist Ihr eigentliches Ziel, nicht der erste Platz.

In der Anfangsphase können Sie Ihrer normalen Turnierstrategie folgen und versuchen, die angepeilte Chipmenge zu sammeln. Doch je näher Sie Ihrem Ziel kommen, je mehr sollten Sie Ihre normale Turnierstrategie ablegen (die bis dahin daraus bestanden haben sollte, andere Spieler mit Ihrem großen Chipstack herumzuschubsen) und tighter werden - schließlich geht es darum, die angesammelten Chips auch zu behalten.

Sobald die Anzahl der noch übrigen Spieler nur noch doppelt so hoch ist wie die Zahl der ausgespielten Turniertickets, dürfen Sie die Chipstände der Spieler in der PokerStars-Lobby nicht mehr aus den Augen lassen. Liegen Sie mit Ihrem Stack in der unteren Hälfte, müssen Sie etwas riskieren, so lange Sie noch genug Chips haben, um Ihre Gegner damit unter Druck zu setzen. Falls Sie aber zu den Big Stacks gehören, sollten Sie ab jetzt ganz besonders tight spielen (im Gegensatz zu einem "normalen" Turnier, wo Sie eigentlich jetzt aggressiver werden müssten, um sich in Position für den Turniersieg zu bringen). Diese supertighte Spielweise empfiehlt sich unbedingt, wenn Sie im Chipcount höher stehen als die Anzahl von Spielern, die noch ausscheiden muss (wenn Sie z.B. unter den besten Fünf sind und nur noch vier Spieler eliminiert werden müssen). Falls Sie sogar Chipleader sind, ist nun der Augenblick gekommen, in dem Sie sogar Asse vor dem Flop passen sollten - vorausgesetzt, es gab viel Action vor dem Flop, mitsamt einem oder mehreren All-ins von anderen Big Stacks.

Denken Sie immer daran: Sie wollen "nur" einen Platz gewinnen, nicht das Turnier. Diese Voraussetzung sollte ihr Spiel bestimmen. Und wenn ich Ihnen damit Mut machen kann: Ich kenne jemanden persönlich, der sich mit nur 10 FPP für das EPT Grand Final in Monte Carlo qualifiziert hat ... und darum geht es ja schließlich, oder?

So haben Sie Erfolg im Main Event

Von Peter Eastgate - Team PokerStars Pro-Mitglied und amtierender World Champion

Peter EastgateIch werde regelmäßig gefragt: "Was ist eigentlich die beste Strategie für das WSOP Main Event?" Meiner Ansicht nach lässt sich das Main Event mit keinem anderen Turnier vergleichen - die Anzahl der Spieler ist viel höher als bei jedem anderem Turnier mit großem Buy-in, dazu kommt, dass die Qualität der Spieler sehr unterschiedlich ist.

Viele Freizeitspieler gehen hier an den Start - entweder weil sie sich online qualifiziert haben oder weil sie unbedingt einmal bei diesem Turner dabei sein und um Ruhm und Reichtum mitspielen wollen. Diese Vorraussetzungen sorgen für ein einzigartiges Turnier: Im Gegensatz zu einem PokerStars EPT-Turnier oder einem WPT-Event kann man sich hier bis zum Turnierstart selten eine ideale Strategie zurechtlegen.

Ich bin im letzten Jahr (als ich das Turnier gewann) ganz bewusst ohne Strategie ins WSOP Main Event gegangen! Bei einem so großen Event gibt es einfach zu viele unbekannte Faktoren - von der Tischauslosung über die Qualität der eigenen Karten bis hin zum (und das ist der entscheidende Faktor) emotionalen Zustand der anderen Spieler am Tisch. Meiner Ansicht nach sollten Sie sich gut anschauen, was an Ihrem Tisch los ist und wie die anderen Spieler mit der Tatsache umgehen, dass sie in einem so großen Event dabei sind.

Es kommt mehr als sonst darauf an, dass man die Verfassung seiner Gegner am Tisch richtig einschätzt, um seine eigenen Entscheidungen der jeweiligen Situation entsprechend anpassen zu können.

Der Schlüssel zum Erfolg in langen und harten Turnieren wie dem Main Event ist die richtige Balance zwischen dem Ansammeln von Chips und der Verteidigung des eigenen Chipstacks. Natürlich kann man seinen eigenen Chipstack immer am besten dadurch schützen, dass man seinerseits Chips ansammelt - doch sollte man sich stets darüber im Klaren sein, wie weit man beim Sammeln von Chips zu gehen bereit ist. So war ich beim letztjährigen Main Event besonders stolz auf die Tatsache, dass ich nur zwei Mal meinen gesamten Chipstack mit einem All-in aufs Spiel setzen musste.

Dies war mir vor allem deshalb möglich, weil sich die Turnierstruktur beim Main Event recht langsam aufbaut. Ich hatte während des größten Teils des Turniers einen überdurchschnittlichen Chipstack und habe kaum Hände gespielt, bei denen ich vor dem Flop viele Chips investieren musste. Ich folgte einer Art "Small Ball"-Strategie, die bei einigen der besseren Pokerprofis zur Zeit sehr hoch im Kurs steht - im Grunde eine Strategie, bei der man versucht, die Potgröße zu kontrollieren. Wie gesagt: Ich hatte mir vor Turnierbeginn keine Strategie zurechtgelegt, doch angesichts meiner Tischauslosungen erwies sich das "Small Ball"-Spiel als besonders erfolgreich.

Ich habe mich mit verschiedenen sehr guten jungen Turnierprofis unterhalten, die mir von schweren Tischen erzählten, an denen sehr aggressiv gespielt wurde - was natürlich zu höheren Schwankungen in den Chipcounts führt. Ich dagegen hatte Glück und erwischte relativ leichte Tische, an denen ich meinen Stack langsam ausbauen und die Potgröße kontrollieren konnte, weil ich selten auf aggressive Gegenwehr stieß.

Außerdem sollte man sich immer vor Augen halten, dass kein Spieler so ist wie der andere. Bei einem so langen und aufreibenden Turnier wie dem Main Event kommt es darauf an, sich selbst und seinen Gewohnheiten treu zu bleiben. Manche Spieler laufen vor dem Turniertag 10.000 Meter, andere essen lieber Obst oder rauchen eine Schachtel Zigaretten. Jeder sollte das tun, was ihn besonders konzentriert und körperlich fit macht, um so dem Druck eines Turniertags standzuhalten.

Zusammengefasst glaube ich nicht, dass es keine "ideale Turnierstrategie" gibt, die einem den Erfolg garantiert. Stattdessen sollten Sie versuchen, jede Situation im Turnier einzeln zu betrachten und zu bewerten - um dann der Strategie zu folgen, die Ihrer Meinung nach am besten zu dieser Situation passt. Auf diese Weise haben Sie die größten Chancen, in einem Turnier ganz weit nach vorn zu kommen. Außerdem sollten Sie in einer Hand immer versuchen, ein paar Schritte im Voraus zu denken: "Was wird auf dem River passieren, wenn ich den Turn calle?" oder "Welche Summe wird mein Gegner wahrscheinlich setzen?" Bei allem aber sollten Sie nicht vergessen, dass nach diesem Turnier noch viele weitere kommen werden. Wer sich selbst zu sehr unter Druck setzt, spielt zu angespannt - und Sie müssen entspannt sein, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können, und cool bleiben, wenn die ersten Plätze immer näher kommen und der Druck steigt.

* WORLD SERIES OF POKER und WSOP sind eingetragene Warenzeichen der Harrah's License Company, LLC ("Harrah's"). Harrah's ist weder Sponsor noch Förderer noch Teilhaber oder Partner von PokerStars.com, deren Produkten, Dienstleistungen, Aktionen oder Turnieren.

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