Ein kurzer Blick auf ein paar der beliebtesten Spiele weltweit, bei denen – wie beim Pokern – ein hohes Maß an Konzentration der Schlüssel zum Erfolg ist.


In diesem Artikel:


Manche Menschen sind der Meinung, dass mit Spielen stets eine Kraftanstrengung verbunden sein sollte, oder dass sie zumindest Handfertigkeit voraussetzen müssen. Mal versenkt man einen Ball im Tor, mal in einem Korb. Oder man verlässt sich auf die Augen-Hand-Koordination, um sich der Gegnerschar auf einem Computerbildschirm zu erwehren.

Millionen Menschen – aus allen Altersgruppen und sozialen Schichten – finden aber mehr Gefallen an Spielen, die mentale Stärke, Konzentration und strategisches Geschick zum Credo erheben. Ob wir nun von Schachspielern, Kartenspielern, Kreuzworträtslern oder Puzzle-Liebhabern sprechen: Bei den Spielen dieser Menschen ist Konzentration das A und O. Wie auch bei denjenigen, die sich der ultimativen Herausforderung stellen und online Poker spielen.

Lassen Sie uns einen Blick auf die beliebtesten Spiele werfen, die eines scharfen Verstandes bedürfen. Natürlich gibt es unzählige Spiele, auf die diese Beschreibung passt. Nachstehend soll es um ein paar der populärsten Beispiele gehen.

Schach

Schach: Ein Spiel, das den Kopf zum Rauchen bringt

Schach gehört zu den Spielen, die dem Gehirn permanent Höchstleistungen abverlangen. Wir alle kennen die Bilder von Großmeistern, die sich im Stillen über das Schachbrett beugen, die Stirn gerunzelt, im steten Zweifel versunken. Im Hintergrund ist bloß das Ticken einer Uhr zu hören. Reglos verharren sie in dieser Starre, manchmal minutenlang, bevor sie zum Zug übergehen – um eine Figur nur ein Feld weiterziehen zu lassen. Nur bei wenigen Beschäftigungen ist ein solches Ungleichgewicht zwischen körperlicher und mentaler Anstrengung zu beobachten.

Schach und Poker haben vieles gemein. Beide Spiele setzen Strategie voraus. Oft ist man bloß mit einem Gegner konfrontiert (Poker wird postflop nicht selten Heads-Up gespielt). Der Spieler muss zudem eine Balance zwischen Aggression und Defensive finden. Gleichwohl gibt es tiefgreifende Unterschiede. Schach ist beispielsweise ein Spiel mit vollständiger Information. Nichts bleibt dem Zufall überlassen, Glück ist keine Komponente des Schachspiels. Umgekehrt müssen Pokerspieler häufig raten, was der Gegner haben könnte. Nichts ist sicher, und selbst der beste Spielzug kann in einer Niederlage enden, wenn man Pech hat.

Beide Spiele erfordern mentale Stärke. Jeder Fehler kann der letzte sein. Vor allem bei Poker Turnieren gehen wir manchmal sehr hart mit uns ins Gericht. War der letzte All-In-Call oder Shove richtig? Auch beim Schach kann jeder falsche Zug stundenlange Vorbereitungen und ein bis dahin makelloses Spiel zunichtemachen. Googeln Sie bei Gelegenheit einfach nach „Nepomnjaschtschi“ und „Fehler“, um zu erfahren, zu welch unerklärlichen Fauxpas sich selbst Schachprofis hinreißen lassen.

Und wenn Sie die Suchmaschine angeworfen haben, suchen Sie testweise als nächstes nach „Schach Strategie“ und „Poker Strategie“. Beide Suchbegriffe halten mehr als 1 Million Resultate bereit. Obwohl Strategien sehr unterschiedlich Anwendung finden, kommt man ohne Strategie bei beiden Spielen nicht weit. Schach hat Eröffnungen, ein Mittelspiel und ein Endspiel. Pokerspieler müssen in Turnieren ihre Strategien gleichermaßen an die jeweilige Turnierphase anpassen.

Beide Spiele werden auf unterschiedlich hohem Niveau gespielt – je nachdem, wie gut die Spieler sind. Während ein Schachgroßmeister Anfänger aber in jeder Partie besiegt, können es Einsteiger beim Pokern bisweilen mit Profis aufnehmen. Vorausgesetzt, das Glück spielt mit.

Bridge

Vor dem Poker-Boom war Bridge das meistdiskutierte Kartenspiel – was Strategien anbelangt. Bei diesem Spiel gibt es ein extremes Gefälle zwischen den besten Spielern und Anfängern. Bridge hat die unterschiedlichen Strategien und Taktiken – und einen ganz eigenen Jargon.

Bridge hat wie Poker jede Menge Fachbegriffe

Anders als die meisten Spiele in diesem Artikel spielt man Bridge zusammen mit einem Partner. Zwei Spieler tun sich zusammen und treten gegen ein zweites Duo an. In Turnieren werden die Karten an mehreren Tischen in der gleichen Reihenfolge verteilt. Sieger ist das Paar, das diese Karten am besten zu nutzen weiß.

Bridge kann auf den ersten Blick abschreckend sein. Zu Beginn sind die Begriffe, mit denen die Spieler um sich werfen, schwer verständlich. Die erste Phase einer Hand ist eine „Versteigerung“, in der die Paare einen „Kontrakt“ für diese Hand festlegen. Ein Paar – üblicherweise das Paar mit den stärksten Karten – legt fest, wie viele Stiche es landen kann und was die Trumpffarbe ist (ein Suit, der stärker ist als alle anderen). Es ist auch möglich, ohne Trumpffarbe zu spielen. Ziel ist es, den Kontrakt wie angesagt zu erfüllen.

Aus der anfänglichen Versteigerung ziehen die Spieler eine Fülle an Informationen. Im Gegensatz zum Live Pokern etwa gibt es weder Bluffs noch Täuschungsversuche. Bridge-Spieler müssen sich bei ihren Geboten stets an spezifische Regeln halten.

Nachdem ein Kontrakt angesagt wurde, muss die eine Partei versuchen, die Ansage zu erfüllen, während die Gegenpartei versucht, dies zu verhindern. Den Kontrakt zu erfüllen, bringt Punkte – das Ziel zu verpassen, zieht Strafen beim Scoring nach sich. Die besten Spieler sind in der Lage, während der Versteigerung wichtige Informationen über alle vier Hände in Erfahrung zu bringen und gedanklich einen Plan zu schmieden, um die angesagten Stiche zu landen.

Exzellente Bridge-Spieler haben ein hervorragendes Gedächtnis und sind ausgesprochen geschickt. Selbst in der Defensive muss ein Spieler die besten Möglichkeiten ausloten, um den Kontrakt der Gegenspieler zu vereiteln. Grundlage hierfür sind die während der Versteigerung erlangten Informationen.

Kreuzworträtsel

Ein leeres Kreuzworträtsel: Darauf wartend, ausgefüllt zu werden

Ob in Büchern oder im Kinofilm: Wenn eine Figur mit Kreuzworträtseln umzugehen weiß, ist sie meist ein Genie. In Großbritannien fordert The Times zum Rätselraten auf; in den USA druckt die New York Times Kreuzworträtsel ab. Im Film schlägt der Protagonist die Rätselseite auf, schwingt den Stift umher – und hat in Sekundenschnelle alle Felder ausgefüllt. Und der Zuschauer weiß sofort: Hier war Intelligenz am Werk.

Ohne Zweifel setzen Kreuzworträtsel mentales Geschick voraus. Ein gutes Allgemeinwissen und ein großer Wortschatz sind sicher hilfreich, aber bei kryptischen Kreuzworträtseln ist es wichtiger, um die Ecke zu denken und die Regeln zu verinnerlichen. Was auf den ersten Blick unverständlich scheint, ist in Wahrheit ein Hinweis, den es logisch zu entschlüsseln gilt.

Vor allem in England sind kryptische Kreuzworträtsel – wie in der The Times – äußerst beliebt. Die Hinweise liefern zum einen eine unmissverständliche Definition der Lösung, und ein Wortspiel, das den Weg zur Antwort weist. Nachstehend ein Beispiel aus dem Buch How To Crack Cryptic Crosswords, das The Times selbst veröffentlicht hat:

Hinweis: President saw nothing wrong (10)
Antwort: Washington

Für Einsteiger scheint es unmöglich zu sein, die Antwort zu finden, aber für ausgewachsene Ratefüchse ist die Lösung ein Klacks. Die „Definition“ ist direkt das erste Wort: „President“ (= Präsident). Das Wortspiel ist der übrige Teil „saw nothing wrong“. Das Wort „wrong“ will auf ein Anagramm hinweisen, und die Buchstaben in den Wörtern „saw nothing“ sind die gleichen wie in „Washington“.

Das Wort Washington trifft auf die Definition und das Wortspiel des Hinweises zu. Washington war ein Präsident und ist ein Anagramm für „saw nothing“. Außerdem hat das Wort 10 Buchstaben, wie von der (10) am Ende des Hinweises gefordert.

Natürlich fallen die Hinweise sehr unterschiedlich aus. Manche sind schwieriger zu knacken als andere. Kreuzworträtsel sind für Menschen interessant, die gern die grauen Zellen anstrengen und sich mit Vorliebe komplexen Rätselaufgaben stellen. Auf Pokerspieler könnte diese Beschreibung passen.

Scrabble

Scrabble ist eines der bekanntesten Brettspiele – und ein weiteres Spiel, bei dem sich mentale Ausdauer auszahlt. Die allermeisten sind mit den Grundlagen des Spiels vertraut: Ziel ist es, mit je sieben Buchstaben das Wort mit der höchsten Punktzahl zu bilden. Mit der richtigen Strategie sind Scrabble-Experten jedoch in der Lage, die meisten Wortsuchen für sich zu entscheiden. (Wir haben uns mit dem Thema in unserem Second Steps: Scrabble Guide befasst.)

Scrabble: Die bekannteste Wortsuche der Welt

Es mag unlogisch erscheinen, aber die besten Scrabble-Spieler können mit Sicherheit nicht alle Begriffe definieren, die sie spielen. Das Wort muss lediglich gültig sein – ob man in der Lage ist, das Wort in einem Gespräch korrekt zu verwenden, ist nicht von Belang. Top-Spieler lernen Listen mit Wörtern auswendig, ohne sich näher mit dem Gelegten zu beschäftigen. Zum Teil gab es Weltmeister, die Englisch nicht als Muttersprache gelernt haben.

Wie beim Schach werden Scrabble-Spieler ihren Fähigkeiten entsprechend eingestuft. Auf diese Weise bekommt man es immer mit ähnlich starken Gegnern zu tun. Bei den Spielen läuft zudem eine Stoppuhr mit. Man ist also unter Zeitdruck und hat nicht ewig Zeit, das bestmögliche Wort aufzuspüren. Die besten Spieler wissen, wie sie mit ihren Buchstaben hantieren und mit der Zeit umgehen müssen, um die höchsten Gewinnchancen zu wahren. Sie sind in der Lage, das Brett zu kontrollieren und dem Gegner Gelegenheiten zum Punkten zu nehmen.

Bei riesigen Scrabble-Turnieren spielen die Teilnehmer über einen Turnierbaum einen Champion aus. Im Finale treten die letzten beiden Spieler meist im Modus Best-of-Three gegeneinander an. Diese Events werden heutzutage sogar live im Internet gestreamt. Die Zuschauer bekommen die Buchstaben der Spieler zu Gesicht, ähnlich wie Poker-Streams die Karten des Streamers zeigen.

Eine weitere Parallele zwischen Poker und und Scrabble: Das Glück beim Ziehen der Buchstaben. Theoretisch kann ein schwächerer Spieler einen stärkeren Kontrahenten in die Knie zwingen, wenn er das Glück hat, die besten Buchstaben aus dem Säckchen zu ziehen. (Tatsächlich gibt es sogar Scrabble Tells. Springen Sie in diesem Video zu Minute 23:21, um mehr über das Thema zu erfahren.)

Am Ende setzt sich der geschickte Spieler langfristig immer durch. Aus diesem Grund sind Fokus und Konzentration beim Scrabble ungemein hilfreich.

Puzzles

Beim Puzzeln vergeht die Zeit wie im Flug

Wenn Sie jemals ein Ferienhaus mitten im Nirgendwo mieten sollten, stehen die Chancen gut, ein Regal mit Puzzles vorzufinden. Die Anweisungen sind eindeutig: Sie sind im Urlaub, der Tag hat viele Stunden, und Sie brauchen eine Beschäftigung, die idealerweise länger unterhält.

An dieser Stelle kommt das Puzzle ins Spiel.

Vermutlich ist es überflüssig, zu erklären, was ein Puzzle eigentlich ist. Das sollte jedem klar sein. Und selbst wenn man sich nur an das Puzzeln in der Kindheit zurückerinnern kann, weiß man: Ja, beim Puzzeln muss man konzentriert sein und ein Auge für Details haben.

Tatsächlich treten erfahrene Puzzle-Experten bei der World Jigsaw Puzzle Championship (WJPC), die von der World Jigsaw Puzzle Federation (WJPF) ausgerichtet wird, jährlich gegeneinander an. Die WJPC zeichnet die Personen aus, die Puzzles schneller als alle anderen Teilnehmer komplettieren können. Insgesamt gibt es drei Kategorien: Teams, Paare und Einzel. Die drei Top-Platzierungen jeder Kategorie bekommen ein Preisgeld ausgezahlt.

Obwohl Spieler und Teams bei der Wahl der Strategie variieren, scheint man sich grundsätzlich einig zu sein, dass man mit den Rändern beginnen und sich danach den Bereichen mit ähnlichen Farbpaletten zuwenden sollte. Die Teilnehmer der Weltmeisterschaft sind nur viel schneller als die Urlauber im eingangs erwähnten Ferienhaus, die irgendwann entnervt aufgeben, weil der Urlaub zu Ende ist und die Heimreise ansteht.

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Viele der aufgeführten Spiele – auch Poker – sind Teil der Mind Sports Olympiad, einem jährlich stattfindenden Wettbewerb mit über 100 Brettspielen. Zu den bekanntesten Spielen der Olympiade gehören Backgammon und auch einige neuere Spiele wie Die Siedler von Catan, 7 Wonders, Dominion und Carcassonne.

Was dieser Ausflug in die Welt der Nicht-Poker-Spiele zeigen soll, ist vor allem eines: Dass es auch etliche andere Strategiespiele gibt, die Poker-Fans unterhalten könnten. Viel Erfolg an den Tischen – ob beim Pokern oder anderswo!

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